Mit dem 1. Mai 2016 tritt das Gesetz zum De-facto-Verbot von privaten Ferienwohnungen in Berlin voll in Kraft. Ein Gesetz, das quer durch die Bevölkerung für viel Unmut sorgt– wie sehr zeigt nun die bisher größte deutsche Studie des Meinungsforschungsinstitutes Fittkau & Maaß zu diesem Thema: Gleich 67 Prozent der Deutschen sind gegen das Verbot von privaten Ferienwohnungen. Noch bezeichnender: nur sechs Prozent der 3.225 Studienteilnehmer sprechen sich für diesen massiven Eingriff in Grundrechte wie Eigentums- und Erwerbsfreiheit aus. Laut ähnlichen Studien wie beispielsweise jenen des Meinungsforschungsinstitutes Innofact sind ebenfalls mehr als zwei von drei Deutschen gegen solch umstrittene Gesetze.

Am 1. Mai 2016  wird wieder halb Berlin auf den Beinen sein, feiern und z.T. auch seine Meinung lautstark kundtun. Definitiv kein Feiertag wird es allerdings für die Vermieter von privaten Ferienwohnungen sein. Symbolisch, fast schon makaber, müssen sie ab dem 1. Mai – ausgerechnet am Tag der Arbeit – eben jene vorerst niederlegen, vielleicht für immer. Geht es nach der Stadt Berlin, wird mit diesem Stichtag eine junge Branche mit großer Nachfrage und hohen Wachstumszahlen eingestampft. Mit dem vollen Inkrafttreten des Zweckentfremdungsverbotsgesetzes ist das Vermieten von privaten Ferienwohnungen de facto verboten. Das Onlineportal für Ferienwohnungen Wimdu.de wird gegen die Stadt Berlin Anfang April eine Verfassungsklage einreichen und ist optimistisch gestimmt, dieses fragwürdige Gesetz zu Fall zu bringen.

Alle Infos zum Zweckentfremdungsverbot und zur Wimdu-Klage gegen dieses Gesetz gibt es hier.

Infografik zur Befragung bezüglich privater Ferienwohnungen

Zwei Drittel der Deutschen sind für private Ferienwohnungen

Das Meinungsforschungsinstitut Fittkau & Maaß hat im November 2015 die bisher größte Studie zum Thema Verbot von Ferienwohnungen durchgeführt. Die Stimmung in der deutschen Bevölkerung zu Gesetzen wie jenem in Berlin ist eindeutig: Mit 67 Prozent sind mehr als zwei Drittel der Deutschen klar gegen solch ein Verbot, nur sechs Prozent hingegen sind dafür.

Deutsche wünschen sich Regeln für Privatunterkünfte

Infografik zur Reglementierung von privaten Ferienwohnungen

Differenzierter betrachtet werden aber von vielen Befragten gleichzeitig auch klare Regeln gefordert. Für 28 Prozent sollen Privatpersonen ihre Wohnung so oft und lange privat vermieten können wie sie möchten, solange sie die entsprechenden Steuern abführen. Persönliche Freiheit ja, aber alles soll eben seine Ordnung haben. Für 21 Prozent ist es wünschenswert, wenn private Vermieter ihre Wohnung in einem begrenzten Zeitraum vermieten können, also z.B. während ihres Urlaubs oder anderer Abwesenheitszeiten wie beispielsweise Studenten während ihrer Uni-Ferien. Für 18 Prozent ist es indes auch in Ordnung, wenn Privatpersonen ohne Vorschriften und Einschränkungen ihre Wohnung so oft und lange privat vermieten können wie sie möchten.

Längere Vermietungszeiträume stellen für Befragte kaum Probleme dar

Infografik zur Befragung bezüglich einer längeren Vermietungsdauer

Ebenfalls erhoben wurde im Zuge der Studie, welche Vermietungsdauer bei Privatunterkünften pro Jahr im Sinne einer gerechten Regelung erlaubt sein soll. Das Resultat: Die klare Mehrheit der Befürworter akzeptiert längere Vermietungszeiträume. Konkret sind für 42 Prozent 200 bis 300 Tage, in denen eine Wohnung vermietet wird, zulässig. Mit großem Abstand folgen dann deutlich restriktiver 20 bis 50 Tage (20 %) und beinahe gleichauf alle weiteren Alternativen mit rund zehn Prozent.

Ein Drittel der Deutschen kann sich selbst Vermietung von Privatwohnungen vorstellen

Ein weiteres erstaunliches Ergebnis der Studie: Gleich 32 Prozent – und damit fast genau ein Drittel aller Befragten – könnte sich vorstellen, selbst eine Privatwohnung oder ein Zimmer zu vermieten. Man sieht also auch, dass das Phänomen der Sharing Economy in der Masse der Bevölkerung angekommen ist – fragwürdigen gesetzlichen Einschränkungen wie jenen in Berlin zum Trotz. Bei einem Blick auf die Altersverteilung potentieller Vermieter von Privatwohnungen zeigt sich, dass besonders Jüngere unter 30 Jahren mit 44 Prozent Bereitschaft diesem Trend stark Rechnung tragen. Jeweils 29 Prozent sind immerhin aber auch bei den 30- bis 49-Jährigen bzw. bei den über 49-Jährigen interessiert.

Zweite Studie: Mehrheit gegen Bußgelder, verfehlte Wohnbaupolitik als Grund für Wohnungsmangel

Untermauert wird die Studie von Fittkau & Maaß mit einer im fast gleichen Erhebungszeitraum durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Innofact (Fallzahl: 1.046 deutsche Staatsbürger). Demnach sind fast deckungsgleich 69 Prozent der Deutschen gegen ein Verbot von privaten Ferienwohnungen. Laut dieser Umfrage ist mit 55 Prozent die Mehrheit noch dazu gegen die Erhebung von Bußgeldern im Fall von Zuwiderhandlung gegen solch neue Gesetze. Eine spannende Aussage dieser Studie, die das Gesamtbild passend abrundet: 71 Prozent der Befragten sehen durch private Ferienwohnungen keine Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, sondern vielmehr ein Versagen der Politik in Sachen Wohnbaupolitik als Hauptauslöser für die aktuelle Wohnungsnot.

Maximal 4.000 Wohnungen einmalig rückführbar – ein Tropfen auf den heißen Stein

Die Zahlen dazu für den aktuellen Fall Berlin: War zu Anfang von 25.000 Wohnungen die Rede, sind es mittlerweile selbst in der offiziellen Gesetzesbegründung noch maximal 4.000 Wohnungen, die bis 2020 bei voller Durchsetzung wieder als Privatwohnungen genutzt werden könnten. Bei einem laut Berliner Bürgermeister Michael Müller geschätzten Bedarf von 220.000 Wohnungen bis 2020 macht das in Berlin weniger als zwei Prozent aus.

Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Steve Collis via FlickrCC