München und Berlin – zwei deutsche Großstädte, die scheinbar gleichermaßen überdurchschnittlich mit Klischees behaftet sind: Den einen ist München zu schickimicki, während den anderen Berlin zu alternativ ist. Fest steht jedoch, dass man in beiden Städten nicht nur wunderbar urlauben, sondern auch sehr gut leben kann. Aber in welcher der beiden Metropolen lebt es sich am besten? In malerischer Lage vor den Alpen gelegen bietet das traditionsreiche München eine der schönsten Naturkulissen des Landes direkt vor der Haustüre sowie mit dem Oktoberfest das größte Volksfest und mit dem Hofbräuhaus die bekannteste Bierhalle der Welt. Das multikulturelle und weltoffene Berlin hingegen gilt weiterhin als der Place to be. Als eine der dynamischsten Hauptstädte Europas bietet Berlin mit seinem kulturellen Angebot und seinem weltbekannten Nachtleben Unterhaltungsmöglichkeiten und Stimulation in jedem Kiez. Obendrein soll das Ganze in Berlin noch um einiges erschwinglicher sein als in der bayerischen Landeshauptstadt, die ihren Ruf, als wohlhabendste Stadt Deutschlands unbezahlbar zu sein, nicht loszuwerden scheint. Aber für welche Bereiche gilt das nun wirklich? Wo ist das Leben am günstigsten? In unserem kleinen Städtevergleich München vs. Berlin haben wir ein paar Zahlen zusammengefasst.

Bild eines Münchener und eines Berliner Pärchen

Wohnen

Die Mieten steigen deutschlandweit fast überall und das Wohnen wird in vielen Städten immer kostspieliger. Insbesondere in München und Berlin sorgen die horrenden Preisaufschläge der letzten zehn Jahre immer wieder für hitzige Diskussionen. So war Berlin das erste Bundesland, in dem am 1. Juni 2015 die Mietpreisbremse eingeführt wurde. Kurze Zeit später folgte auch München. Dennoch erfüllt München auch hier sein Klischee, denn die Mieten sind dort immer noch teurer als in der Hauptstadt: etwa um 28 % für eine zentral gelegene Dreizimmerwohnung sowie etwa um 37 % für eine Einzimmerwohnung am Stadtrand. Auch die Wohnnebenkosten sind in Berlin bis zu 7 % preiswerter als in München. Wer einen Wohnungskauf in Betracht zieht, zahlt in Berlin für den Quadratmeter, ob in der Innenstadt oder am Stadtrand, weniger: Die Quadratmeterpreise sind dort noch immer um fast die Hälfte günstiger als in München.

Lebensmittel

Ähnlich wie mit den Wohnkosten verhält es sich auch bei den Grundnahrungsmitteln. In München sind Milch und Reis bis zu 13 %, rotes Fleisch bis zu 23 %, Brot und Kartoffeln sogar bis zu 30 %, Orangen bis zu 8 % sowie selbst Wasser (1,5 Liter Flasche) bis zu 38 % teurer als in der Hauptstadt.

Transport

Vergleicht man die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr, schneidet allerdings die Münchner MVV gegenüber der Berliner BVG besser ab. Für ein BVG-Monatsticket muss man in Berlin aktuell 16 € mehr bezahlen als in München. Einzelfahrscheine wiederum kosten mit 2,70 € in beiden Städten gleich viel. Auch Taxifahren ist in München bei einem Startpreis von 3,50 € (statt 3,90 € in Berlin) sowie einem Kilometertarif von 1,80 € preiswerter. Allerdings bietet der Berliner Taxiservice die sogenannte Kurzstrecke, bei der man für eine Fahrstrecke von bis zu zwei Kilometern nur 5 € pauschal zahlt. Zu beachten ist hierbei lediglich, dass das Taxi herangewunken werden muss. Für stehende Taxis gilt der Kurzstreckenpauschaltarif nicht!

Freizeit und Unterhaltung

Für viele Großstadtbewohner gewinnt eine gesundheitsbewusste Lebensführung immer mehr an Bedeutung. Laut einer neuen forsa-Studie treibt mehr als die Hälfte der Deutschen regelmäßig Sport. Für ihre Mitgliedschaft im Fitnessstudio müssen die Münchner allerdings um Einiges mehr bezahlen als die Berliner: Bis zu 40 % mehr kostet dort ein Monat Muckibude. Wer lieber auf gebührenfreie Aktivitäten an der frischen Luft setzt, zahlt in München im Schnitt übrigens 10 % mehr für ein Paar Markenlaufschuhe.

Die Münchner müssen beim Shoppen im Allgemeinen etwas tiefer in die Tasche greifen: So kostet ein Kleidungsstück bei einer internationalen Textilhandelskette in München etwa 20 % mehr. Berliner Shoppen zwar im Schnitt günstiger, setzten aber trotzdem viel auf Secondhand- und Vintagekleidung und geben ihr monatliches Gehalt bekannterweise gerne beim Feiern bis in die Morgenstunden aus. Denn nicht ohne Grund gilt die berühmt-berüchtigte Berliner Klubszene als eine der besten der Welt. Bezüglich der Eintrittspreise, die im Schnitt zwischen 5 € bis 15 € liegen, verhalten sich die beiden Städte ziemlich identisch – nicht aber bezüglich der Getränkepreise: Ein halber Liter einer lokalen Biersorte ist in einer Münchner Bar bis zu 14 % teurer, ebenso wie der Cappuccino zur Mittagspause (+13 %). So überrascht es nicht, dass auch das Dinieren in München kostspieliger ist: Ein Drei-Gänge-Menü in einem Restaurant mittleren Preissegments kostet um die 20 % mehr; eine Mahlzeit in einem kostengünstigen Restaurant liegt bei etwa 12 € in München beziehungsweise um die 8 € in Berlin. Wer sich lieber in gemütlicher Runde zuhause gesellt, wird in der Welthauptstadt des Bieres etwas überrascht: In Münchner Supermärkten ist lokales Bier ebenso wie Supermarktwein um die 8 % beziehungsweise 9 % teurer als in Berlin.

Fazit: In unserem Städtevergleich „München vs. Berlin“ schneidet die bayerische Landeshauptstadt also wie erwartet insgesamt teurer ab. Lediglich die Fortbewegung ist in den von uns aufgeführten Daten in München erschwinglicher als in Berlin. Gleichzeitig sei allerdings nicht zu vergessen, dass die Gehälter in München im Durchschnitt um 24 % höher sind als in der Hauptstadt und dass bei einem detaillierten Lebenskostenvergleich schließlich noch weitere Faktoren miteinbezogen werden müssten. Trotzdem hoffen wir, dass unser Artikel ein wenig behilflich war bei der Entscheidung, ob man in Zukunft sein Gemüse auf dem Viktualienmarkt oder dem Türkenmarkt am Maybachufer kauft, Würstchen am Isarufer oder Köfte auf dem Tempelhofer Feld grillt, Weißwurstfrühstück in der Großmarkthalle oder Currywurst bei Konnopke genießt, eine Hofbräumaß im Englischen Garten oder ein Spätibier im Görli zischt, auf der Maximilianstraße oder dem Ku’damm shoppen geht, mit Glitzer-Make-up im Sisyphos oder mit der Schickeria im P1 feiert oder seine Kinder mit Christiania Bike in Prenzlauer Berg oder im SUV in Schwabing zur Kita bringt. Über Geschmäcker lässt sich ja zum Glück streiten.

Stand: Oktober 2016

Quellen:
www.numbeo.com/cost-of-living
www.presseportal.de